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Nutzerstudien

Page history last edited by Jens Wonke-Stehle 13 years, 2 months ago

Nutzerstudien

Moderation und Notizen: Jens Wonke-Stehle /SUB  Hamburg

 

Worum ging es?

@rusawe: „ 2. Session #bib4 #nstud Nutzerstudien - wie können Bibliotheken sie betreiben? Und was machen wir dann mit den Ergebnissen?“ 

 

Intro

Als Einstieg habe ich etwas über mein Projekt Akte20.09 erzählt und warum und wie wir dort Nutzerstudien betrieben haben:

An der SUB Hamburg wird die Virtuelle Fachbibliothek Politikwissenschaft ViFaPol um die Themenbereiche Verwaltungs- und Kommunalwissenschaften erweitert und technisch modernisiert.  Die Nutzung von ViFas entspricht oft nicht den Erwartungen, daher war es uns wichtig, etwas genauer zu schauen, was man besser lösen könnte. Im Vorfeld wurden dabei  11 teilstrukturierte qualitative  Interviews mit  Mitgliedern der Zielgruppe durchgeführt.  Ergebnisse dieser Interviews sind aufgrund der geringen Fallzahl und der geringen Standardisierung nicht generalisierbar, dass man allgemeingültige Aussagen über die Gesamtheit der Zielgruppe machen könnte, aber sie erlauben einen plastischen Blick in das Arbeiten und die Probleme der Befragten und dabei werden viele Fallstricke bei der Portalentwicklung sichtbar.

@leseband: „Immer wieder die vor Augen haben, für wen man ein Portal / Angebot aufbaut. #bib4 #nstud 

Gerade das Sichtbarmachen der Zielgruppe für das Projektteam war ein wichtiger Grund für dieses Vorgehen. Auf der Grundlage der Interviews wurden daher Personas und Nutzungsszenarien entwickelt. Eine Persona ist eine konstruierte Beschreibung einer Person, die einem Teil der Zielgruppe ein Gesicht gibt und ihr Handeln nachvollziehbar macht. Pro Persona wurde ein Nutzungsszenario entworfen, um sich darüber klar zu werden, dass es stets unterschiedliche Nutzungsweisen eines Portals gibt.

 

Hauptteil der Session

Dann ging es konkreter um die Fragen, wie man eigentlich etwas über seine Nutzer herausbekommt und was man mit den Ergebnissen macht, vor allem, wenn sie nicht ganz dem entsprechen, was man erwartet hatte. Dabei ergab sich als Nebenthema  eine Diskussion um den Nutzen von Fachportalen und um ihre Konstruktion. Dieser Strang wurde am Samstag  in der Session „Virtuelle Fachbibliotheken/Bibliotheksportale“ mit Michael Hohlfeld (@leseband) weitergeführt und vertieft. Der Übersichtlichkeit halber versuche ich hier die Themenblöcke etwas auseinander zu sortieren:

 

Methoden – wie bekomme ich was raus?

Als Methoden wurden vorgestellt:

  • Interviews / Fokusgruppen
    • Interviews mit Mitgliedern der jeweiligen Zielgruppe, unterstützt durch einen Leitfaden, der hilft , das Gespräch mehr oder weniger zu strukturieren.
    • Fokusgruppen:  Nutzer werden eingeladen und  dazu aufgefordert ein bestimmtes Thema zu diskutieren. Das Gespräch findet ab da weitestgehend unter den Nutzern statt und wird aufgezeichnet, um es später asuwerten zu können.
  • Logfile-Analysen
    • Die einzige quantitative Methode die in dieser Session empfohlen wurde.  Erfordert viel  Arbeit, ist aber unerlässlich, um etwas über die tatsächliche Nutzung eines Angebots herauszubekommen.
  • Gar nichts!
    • Mehr  Mut! Innovation kommt durch Ausprobieren zustande!
@leseband:  „Apple fragt die Nutzer nicht, was sie wollen, ist trotzdem erfolgreich. Fazit: einfach versuchen?! #bib4 #nstud
  • Nutzern Kameras geben / Tagebücher / Cultural Probes / Praxeologie
    • Das implizite Wissen der Nutzer über gute Arbeitsbedingungen anzapfen, versuchen, etwas darüber herauszubekommen, wie Nutzer ein Angebot sehen
    • Geht auch als Zirkel: z. B. Videos von Nutzern bei der Arbeit machen und sich dann Sequenzen von den gefilmten erklären lassen
  • (Papier)-Dummies / Prototyping / Spielen
    • Interativ Entwickeln: Protoyp veröffentlichen, Nutzerfeedback einholen, wieder von vorne
    • Nicht: Aus fünf fertigen Lösungen eine auswählen lassen!
    • Gutes Mittel:  vor der eigentlichen Entwicklung mit Papier-Dummies arbeiten, dann klick-Dummies entwickeln, dann erste Funktionalitäten prototypisch entwickeln und evaluieren
    • Stil: Funktionen ausprobieren / mit Möglichkeiten spielen und dann Nutzung analysieren, besser als fertiges Produkt auf den Markt werfen und dann erst fragen, ob es jemand in dieser Form braucht
  • Nicht-Nutzer-Analysen
    • Die Nicht-Nutzer sind eine der spannendsten aber am meisten vernachlässigte Gruppe
  • Literaturstudien
    • Wird viel zu selten angewendet!!! Also: Lesen, was andere schon gemacht haben.

Allgemeines:

Triangulation:  Oft ist es sinnvoll, mehrere Methoden zu kombinieren (z.B. Interviews mit Logfile-Analysen) um ein differenzierteres Bild zu bekommen

Validierung:  Zeit und Geld reichen oft für umfangreiche Studien nicht aus,  deswegen ist es umso wichtiger über die eigenen Ergebnisse mit Kollegen zu sprechen und sie mit deren Erkenntnissen in Beziehung zu setzen (kommunikative Validierung) und auch die schon bestehenden Literatur über Nutzerstudien zu lesen.

Probleme, die bei Nutzerstudien auftreten:

  • Zeit / Geld sind knapp / Ressourcen dafür standen so nicht im Projektantrag
  • Fehlendes Wissen über Methoden
  • Auswahl des richtigen Zeitpunkts, um Nutzer einzubeziehen
  • Ergebnisse zwingen zum Abweichen vom ursprünglich geplanten Entwicklungspfad…

 

Ergebnisse – was mache ich nun mit meinen Erkenntnissen?

  • Was macht man, wenn man unerwartete Ergebnisse bekommt?
  • Was macht man, wenn  das Produkt von den Nutzern nicht in der geplanten Form gewünscht wird?
  • Die Ergebnisse von Befragungen nicht für konkrete Arbeitsaufträge halten. Sie müssen interpretiert und bewertet werden.
@leseband:  „geäußerte Nutzerwünsche sind nicht die zehn Gebote, sondern Anregungen mit denen man umgehen muss/kann. #bib4 #nstud 
  • These: Es ist gut und richtig, wenn man zur Projektlaufzeit aufgrund von Nutzerstudien von in Projektanträgen definierten Zielen abweicht. Minimieren kann man solche Diskrepanzen, wenn man strategisch Projektanträge stellt und keine Produktanträge und sich so Freiraum für das Finden einer konkreten Umsetzungsmöglichkeit schafft.
@wolframseidler: „projektanträge sind keine produktanträge #bib4 #nstud

 

Und was bedeutet das für (Fach-)Portale?

  • These (Gerald Steilen, @nesnu ):  Die Suchfunktionalität der Portale ist überflüssig. Logfile-Analysen legen nahe, dass Suchen über  Google oder andere Anwendungen erfolgen. Die vordringliche Frage lautet daher: Sind unserer Daten im Netz? Werden Standards eingehalten? Daten sollten so aufbereitet werden, dass sie im Netz funktionieren!
@horstprillinger: „#bib4 #nstud macht google portale obsolet, weil quellen so schneller gefunden werden und eher dem nutzerverhalten entsprechen?“

 

  • Frage: Wenn wir uns in der Portalkontruktion an Google / Amazon etc. orientieren, geht dann unseren Portalen nicht sehr viel Funktionalität verloren?
    • Andererseits: wird diese Funktionalität überhaupt genutzt
@engelken: „Unterschätzen wir Nutzer oder überschätzen? Die meisten wollen es einfach und suchen konservativ (google statt Portal) #nstud #bib4
  • These: Es gibt viele gute Portal, sie sind nur nicht bekannt genug!
    • Gegenthese: Wären sie gut, würde man sie kennen

 

Weiterführendes (Links / Literatur / etc.)

 

Kontakt

Jens Wonke-Stehle

@Akte20_09

http://projektakte.sub.uni-hamburg.de

j.wonke-stehle@sub.uni-hamburg.de

 

Comments (1)

Silvia said

at 10:59 pm on Mar 13, 2011

Danke für den expliziten Hinweis auf Literaturstudien. Leute, lest mehr! Es gibt viele interessante Ideen und Nutzerforschung in Print und Online (bspw. im Beluga-Blog, Suchkiste-Blog, etc.)

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